Standpunkte

Chance für Open Access nutzen

Prof. Dr. Matthias Egger
Präsident des Nationalen Forschungsrats des SNF

Die Wissenschaft ist der beste Weg, um systematisch neue Erkenntnisse zu gewinnen. Deswegen fördert die öffentliche Hand die Forschung mit grossem Aufwand. Diesem Aufwand sollte ein grösstmöglicher Nutzen für die Gesellschaft und die Wirtschaft gegenüberstehen. Open Access, also der kostenlose und ungehinderte Zugang zu Publikationen, die aus öffentlich finanzierter Forschung hervorgehen, trägt erheblich dazu bei.

Aktuell sind nur etwa 30 Prozent aller Artikel, die von Forschenden in der Schweiz verfasst werden, frei im Internet verfügbar. Das obwohl die Forschenden Open Access publizieren möchten. Der Schweizerische Nationalfonds, die Hochschulen und andere Partner unterstützen sie dabei. Leider fehlt den Forschenden heute ein unabdingbares Recht, ihre Arbeiten nach der Veröffentlichung bei einem Verlag und nach Ablauf einer angemessenen Frist ein zweites Mal und für alle frei zu publizieren das Zweitveröffentlichungsrecht.

Die aktuelle Revision des Urheberrechts enthält viele positive Neuerungen für die Wissenschaft, zum Beispiel ein Artikel zum Text- und Data-Mining. Die Revision bietet zusätzlich Gelegenheit, für öffentlich finanzierte Forschung ein Zweitveröffentlichungsrecht im Obligationenrecht zu verankern. Dort wird schon heute das Verhältnis zwischen Autorinnen und Autoren und Verlagen geregelt und es ist nur eine Anpassung nötig. Diese würde den Zugang zu den Ergebnissen Schweizer Forschender nicht nur für Interessierte und die Öffentlichkeit erheblich vereinfachen, sondern den Forschungsplatz Schweiz insgesamt vorwärts bringen.

Langfristiges Denken statt Schnellschüsse

Christine Bulliard-Marbach
Nationalrätin, Präsidentin der WBK-N

Die Digitalisierung ist das Thema der Stunde. In ungekanntem Tempo durchdringen neue Technologien unsere Arbeitswelt. Apps, Roboter und Algorithmen machen vor keiner Branche Halt. Der digitale Wandel wirkt sich auch stark auf Bildung, Forschung und Innovation aus.

Immer wieder werden Investitionen zur Bewältigung des digitalen Wandels gefordert. Doch vergessen wir nicht, wie viel im BFI-Bereich bereits passiert. Die Förderung der digitalen Wissenschaften ist ein Schwerpunkt der aktuellen BFI-Botschaft 2017-2020; erst vor einem Jahr eröffneten die beiden ETH ein nationales Zentrum für Datenwissenschaften. In der Bildung laufen seit Jahren Projekte zur Förderung der MINT-Fächer. Auch die Entwicklungen im Bereich Open Access sind Antworten auf die Digitalisierung.

 
Die Herausforderungen des digitalen Wandels müssen in der künftigen BFI-Politik unbedingt ein Schwerpunkt sein. Insbesondere bei der Cyber-Sicherheit braucht es Fortschritte, aber auch die Folgen der Digitalisierung auf den Alltag der Menschen und das Arbeitsleben müssen wir genauer untersuchen. Gefragt sind gezielte und langfristige Investitionen. Kurzfristige Finanzspritzen oder neue Pläne ohne finanzielle Mittel machen hingegen keinen Sinn, wenn trotz Milliardenüberschüssen Jahr für Jahr bei den Grundbeiträgen für Bildung und Forschung gespart wird.