Standpunkte

Entscheidendes Jahr für Bildung und Forschung

Mathias Reynard
Nationalrat, Mitglied Politikerteam FUTURE

Der Bereich Bildung, Forschung und Innovation steht vor einem entscheidenden Politjahr. In der Woche vor der Frühjahrssession überwies der Bundesrat die Botschaft zur Förderung von Bildung, Forschung und Innovation in den Jahren 2021-2024 (BFI-Botschaft) ans Parlament. In der zweiten Jahreshälfte folgen Verhandlungen über die Schweizer Beteiligung am 9. EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon Europe und die Frage einer Teilnahme am Bildungsprogramm Erasmus.

Der Bundesrat plant langfristig. Er berücksichtigt in der BFI-Botschaft die Unsicherheit bezüglich der derzeit unbekannten Kosten für die Beteiligung an den EU-Forschungsprogrammen ab 2021. Damit verdeutlicht er seine volle Unterstützung für die Schweizer Wissenschaftsgemeinde, die nachdrücklich darauf hinweist, dass diese Beteiligung eine zentrale Voraussetzung ist für den Erfolg in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren. Auch bezüglich Erasmus traf der Bundesrat Vorkehrungen für eine Beteiligung oder die Fortsetzung einer Schweizer Lösung.
 
Das Parlament spielt eine entscheidende Rolle. Seine Aufgabe ist es, den Ansatz des Bundesrates zu unterstützen und diesem gleichzeitig eine eigene Note zu verleihen. Als Lehrer bin ich der Ansicht, dass die Förderung der Weiterbildung und der Grundkompetenzen sowie die Ausbildungsbeiträge in den letzten Perioden zu kurz kamen und mehr Unterstützung verdienen.

Internationale Vernetzung stärkt Wirtschaft und Forschung

Petra Studer
Koordinatorin Netzwerk FUTURE

Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die Schweizer Hochschulen und Forschungseinrichtungen von der Beteiligung an den Europäischen Forschungsrahmenprogrammen (FRP) profitieren. Viele Berichterstattungen fokussierten sich jedoch stark auf die finanziellen Effekte, indem der Rückfluss von Projektunterstützungen an Forschende in unserem Land mit dem Schweizer Beitrag an die EU für die Programmbeteiligung aufgerechnet wurde. Auch wenn ein positiver Rückfluss zweifelsohne sehr erfreulich war: Die qualitativen Aspekte und deren Einfluss auf den Wissensplatz und Wirtschaftsstandort Schweiz sind noch viel bedeutsamer.

Genau diese qualitativen Aspekte werden in der vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) jüngst veröffentlichten Studie nun ins Zentrum gerückt. Eine Befragung von 878 FRP-Teilnehmenden zeigt auf, dass die europäische Forschungszusammenarbeit für die Schweiz eine Erfolgsgeschichte ist, die zu neuen Patenten, Produkten, Firmengründungen und Arbeitsplätzen führte. 

Die Bedeutung der FRP-Förderungen für die hiesigen Hochschulen bleibt offensichtlich. Die Umfrage zeigt jedoch, dass nahezu die Hälfte aller europäischen Forschungsprojekte mit Schweizer Beteiligung aus Kooperationen von Hochschulen und Privatunternehmen bestanden, wobei in 62% der Fälle KMU beteiligt waren. Mit jedem gewonnenen Projekt konnten im Schnitt drei neue Stellen (davon eine Stelle unbefristet) geschaffen werden; und aus jedem zehnten Projekt ging ein neues Spin-off oder ein Start-up hervor. Die FRP sind somit auch für die Forschung und Innovation der Schweizer Unternehmen, welche nicht in den Genuss von Fördermitteln des Bundes kommen, eine wichtige Förderquelle und stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft.

Der Bericht des SBFI unterstreicht im Weiteren die Komplementarität der Europäischen Forschungsprogramme und des Schweizerischen Nationalfonds (SNF): Die beiden Förderquellen funktionieren ergänzend und können sich gegenseitig nicht ersetzen. Bei den FRP werden die Projekte der Akteure aus Forschung und Innovation in einem sehr kompetitiven internationalen Umfeld bewertet; grenzüberschreitende Kooperationen zwischen den Besten eines Fachs sind der Schlüssel zum Erfolg. Diese internationalen Netzwerke sind äusserst wertvoll und bleiben oft über das Projektende hinaus bestehen. Die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsplatzes Schweiz wird somit auch laufend gestärkt.

Eine Assoziierung der Schweiz an das 9. EU-Forschungsrahmenprogramm («Horizon Europe») in den Jahren 2021 bis 2027 hat nicht nur für unsere Hochschulen und Institutionen der Forschungs- und Innovationsförderung oberste Priorität. Auch der Wirtschaftsplatz Schweiz kann auf diese internationale Vernetzung nicht verzichten.